Jahrestagung 2026 | Zwischen Resonanz und Reibung

Die 59. Jahrestagung des Netzwerks Öffentlichkeitsarbeit in der Evangelischen Kirche fand am 6. und 7. Mai 2026 in Köln statt. Unter dem Titel „Zwischen Resonanz und Reibung“ diskutierten 90 Teilnehmende kirchliche Öffentlichkeitsarbeit in bewegten Zeiten.


 

Brücken bauen, Netze knüpfen - Rückblick auf die Tagung

Köln - Für unser Tagung eine perfekte Location

Als Symbol für die 59. Jahrestagung des Netzwerkes Öffentlichkeitsarbeit in der Evangelischen Kirche war kaum eine Stadt besser geeignet als die Rheinmetropole Köln, wo allenthalben Brücken in den Blick geraten und überquert werden müssen. Brücken zu bauen zwischen Menschen und Gruppen, die einander oft als Gegner oder mindestens mit Distanz betrachten – dass dies gerade jetzt eine zentrale Aufgabe von Kirche sein muss, wurde bei Keynotes, Diskussionen, Exkursionen, Workshops und vielen persönlichen Netzwerk-Gesprächen deutlich. Ebenso war evident: Der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit kommt dabei eine entscheidende Rolle zu.

Die Tagung am 6. und 7. Mai 2026 fand mit 90 Teilnehmenden und Referent:innen unter dem Titel „Zwischen Resonanz und Reibung – kirchliche Öffentlichkeitsarbeit in einer herausgeforderten Gesellschaft“ im Haus der Kirche auf freundliche Einladung und mit riesiger Unterstützung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region statt. 

Radikalisierte Meinungen - Seid Experten für Grautöne

Thomas Krüger: „Sie müssen nicht Content verkaufen, sondern Räume öffnen.“

Zum Auftakt lieferte Thomas Krüger, der frühere Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, eine klar formulierte und brillante Bestandsaufnahme der aktuellen gesellschaftlichen Situation. Dabei stellte er fest, dass im Rekurs auf den Soziologen Andreas Reckwitz die Kirche die Menschen in einer Gesellschaft der Singularitäten in der Logik des Allgemeinen anspreche – „wir haben für alle etwas“ – und damit entsprechend langweilig daherkomme. 

Krüger erteilte mit Bezug auf den Makrosoziologen Steffen Mau der Behauptung von einer Polarisierung der Gesellschaft eine Absage: Die Grundwerte und Bedürfnisse der Menschen seien gar nicht so verschieden, Meinungen würden jedoch von interessierter Seite radikalisiert, um eine Spaltung zu befördern. Kirchliche Öffentlichkeitsarbeiter:innen müssten dem gegenübertreten als „Experten für Grautöne“, mit positiven Erzählungen vom Wachsen statt vom Schrumpfen. „Sie müssen nicht Content verkaufen, sondern Räume öffnen.“ 

Dr. Friederike Erichsen-Wendt vom Referat für Strategische Planung und Wissensmanagement der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) warb vor dem Hintergrund der letzten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung für mehr Mut zu neuen Formaten in der Öffentlichkeitsarbeit und eine stärkere Fokussierung auf Zielgruppen sowie Ausdauer beim „gemeinsamen Ringen um Wahrheit“. Die Diskussion in Podium und Plenum wurde nahtlos an Tischen, auf Fluren und Wegen weitergeführt – nicht zuletzt mit Bezug auf aktuelle Wahlumfragen, die ein stetiges Erstarken der rechtsradikalen AfD vorhersagen.

Queere Kirche und künstliche Intelligenz

Exkursionen gehören immer zum Programm. In Köln waren wir u.a. bei der Queeren Kirche

Exkursionen nahmen teils das Tagungsthema auf, etwa mit einem Besuch bei der „Queeren Kirche Köln“ und ihrem Pastor Tim Lahr, der sich mit einer steigenden Zahl von Gemeindegliedern für mehr Sichtbarkeit von queeren Menschen nicht nur im Raum der Kirche einsetzt. Auf dem Programm der Exkursionen standen auch Besuche bei der DiTib-Zentralmoschee, im Kölner Dom, bei der Tourist-Information Köln und der RTL-Journalistenschule. 

Ein abendlicher Empfang fand auf Einladung der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Macromedia University statt, deren Professor für Kommunikationsmanagement, Holger Sievert, regelmäßiger Gast bei den Jahrestagungen und Mitglied des Netzwerkes Öffentlichkeitsarbeit ist. Er stellte aktuelle Ergebnisse einer Erhebung zur digitalen Kommunikation und zur Nutzung von KI im Bereich der evangelischen Kirche vor, die zum wiederholten Mal gemeinsam mit dem VRK (Versicherer im Raum der Kirchen) unter mehr als 7.000 Menschen erhoben worden war. Fazit: Bei Social Media holt Kirche langsam auf, bei KI hängen wir deutlich hinterher.

Vielfalt verstehen, gewaltfrei kommunizieren

Ob fachlicher Austausch oder Smalltalk - Netzwerken auf der Netzwerktagung macht Spaß und unterstützt auch die eigene Arbeit vor Ort

Die Künstliche Intelligenz war dann notwendigerweise auch Thema eines Workshops am 7. Mai mit Andy Ebels (Stellvertretender Pressesprecher Kirchenverband Köln und Region) als großartigem Referenten – nach einer inspirierenden Andacht von Stadtsuperintendent Bernhard Seiger. Weitere Workshops knüpften wiederum an den Tagungsschwerpunkt an: Debattieren ohne Sieger (Oberkirchenrat i. R. Christian Fuhrmann), gewaltfreie Kommunikation (Sandra Klaft), Vielfalt verstehen lernen (Sarah Vecera) und gendersensible Sprache (Dr. Kristin Bergmann). Weitere Workshops widmeten sich dem Umgang mit empirischer Forschung (Holger Sievert) und der kirchlichen Mitgliederkommunikation (Laura Gleichmann).

Das Netzwerk Öffentlichkeitsarbeit befindet sich weiter unter dem Dach des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GEP) und wird von diesem mit der Geschäftsführung (Torsten Spille) unterstützt. Jetzt übernimmt der Vorstand inzwischen eine größere Zahl von notwendigen Aufgaben selbst und hat sich für diese Tagung erfolgreich auch um weitere Unterstützung vom Versicherer im Raum der Kirche, von der Gemeindebriefdruckerei (beide waren zudem mit einem Stand vertreten), vom Chrismonshop, der Evangelischen Kirche im Rheinland, dem Kirchenverband Köln und Region und der Macromedia University bemüht.

Netzwerk wird gebraucht - nächste Tagung 2027 in Halle an der Saale

Gunnar Schulz-Achelis (Dachstiftung Diakonie) und Amet Bick (Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz - EKBO) unterstrichen als Vorsitzende im Vorstand des Netzwerkes Öffentlichkeit, dass gleiche Anstrengungen unter anderen Voraussetzungen auch für die nächste Tagung am 14./15. April 2027 in den Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale notwendig sein werden. Der breite Zuspruch zur Kölner Tagung von Menschen unterschiedlichster kirchlicher Ebenen aus ganz Deutschland machte deutlich: Die Arbeit des Netzwerkes ist wichtig und wird gebraucht. Neben den jährlichen Tagungen sollen auch digitale Stammtische weitergeführt werden. Weitere Ideen sind in der Pipeline. 

Johannes Killyen, LutherMuseen: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Vorstandsmitglied Netzwerk Öffentlichkeitsarbeit

Wir danken unseren Sponsoren für die Unterstützung

Bank für Kirche und Diakonie, Chrismonshop, Evangelischer Kirchenverband Köln und Region, Evangelische Kirche im Rheinland, Gemeindebriefdruckerei, Macromedia University, Versicherer im Raum der Kirchen